Wortmaumau ist ein einfaches Kartenspiel – das nebenbei genau das trainiert, was LRS-Kinder brauchen: phonologische Bewusstheit, Sichtwortschatz und Leseflüssigkeit. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie es in Ihrer Praxis einsetzen.
- In der Lerntherapie arbeiten und motivierendes Lesematerial suchen
- LRS-Förderung anbieten und Kinder ohne Widerstand zum Lesen bringen möchten
- Im DaZ/DaF-Bereich tätig sind und spielerischen Wortschatzaufbau brauchen
Warum Wortmaumau in der Lerntherapie?
Sie kennen das: Ein Kind braucht hunderte Wiederholungen, um ein Wort zu automatisieren – aber nach der zehnten Leseübung rollt es mit den Augen. „Schon wieder?" Die Motivation sinkt, die Cortisol-Level steigen, und am Ende der Stunde haben Sie beide das Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen.
Wortmaumau löst dieses Dilemma auf elegante Weise: In einer einzigen Partie liest das Kind 50-80 Wörter – freiwillig, konzentriert, mit Spaß. Nicht weil es muss, sondern weil es gewinnen will. Das Spielprinzip verwandelt therapeutische Wiederholung in intrinsische Motivation. Und Sie können nebenbei beobachten, welche Lesestrategien das Kind tatsächlich anwendet.
flowchart TD
A["🎮 Spielmotivation"] --> B["📖 Häufiges Lesen"]
B --> C["🔄 Wiederholung"]
C --> D["⚡ Automatisierung"]
D --> E["📈 Leseflüssigkeit"]
F["😊 Positive Emotion"] --> B
F --> D
style A fill:#f5a623,color:#fff
style E fill:#1a4b8c,color:#fff
Diagnostische Beobachtung während des Spiels
Wortmaumau eignet sich hervorragend für die informelle Diagnostik. Während das Kind spielt, können Sie beobachten:
Lesestrategie-Analyse
Achten Sie darauf, ob das Kind Wörter sofort erkennt oder sie mühsam Buchstabe für Buchstabe erliest. Kann es Laute zu einem Wort verbinden? Wie schnell identifiziert es den Vokal – sicher oder ratend? Notieren Sie sich, welche Laute verwechselt werden (b/d, m/n?) und ob das Kind eigene Fehler bemerkt und korrigiert. All das verrät Ihnen mehr als jeder standardisierte Test.
Beobachtungsbogen (Beispiel)
Ein einfaches Protokoll während einer Spielrunde: Zählen Sie, wie viele Wörter das Kind sofort erkennt (Sichtwortschatz) und wie viele es korrekt erliest (Synthesefähigkeit). Notieren Sie Lesefehler mit der Art des Fehlers – vertauscht es Buchstaben, rät es, oder überliest es Endungen? Beurteilen Sie das Lesetempo (flüssig, stockend, mühsam) und beobachten Sie die Reaktion bei Vokal-Fragen: Antwortet das Kind sicher, zögerlich oder ratend?
Spielvarianten für verschiedene Therapieziele
Je nach Förderschwerpunkt können Sie Wortmaumau unterschiedlich einsetzen:
flowchart TB
Z["🎯 Förderziel"] --> V1["Vokal-Fokus"]
Z --> V2["Sichtwort-Training"]
Z --> V3["Anfangslaut-Training"]
Z --> V4["Blitzlesen"]
V1 --> M1["Vokal laut benennen"]
V2 --> M2["Zeit-Challenge"]
V3 --> M3["Anlaut-Kette"]
V4 --> M4["Karten kurz zeigen"]
style Z fill:#1a4b8c,color:#fff
Variante 1: Vokal-Fokus (Phonologische Bewusstheit)
Besonders geeignet für: 1.–2. Klasse, LRS mit Vokalproblemen, DaZ-Kinder ab Niveau A1
Ziel: Vokalidentifikation trainieren
So geht's: Beim Ablegen einer Karte muss das Kind nicht nur das Wort lesen, sondern auch den Vokal laut benennen: „Hand – A!" Erst dann gilt die Karte als gespielt.
Steigerung: Bei fortgeschrittenen Kindern: „Nenne ein anderes Wort mit dem gleichen Vokal!" (Hand → Dank, Sand, Kamm...)
Variante 2: Sichtwort-Training (Automatisierung)
Besonders geeignet für: 2.–4. Klasse, fortgeschrittene LRS-Therapie, Kinder mit ausreichender Dekodierfähigkeit
Ziel: Schnelle Worterkennung
So geht's: Setzen Sie ein Zeitlimit von 2-3 Sekunden pro Karte. Wer das Wort nicht schnell genug liest, muss eine Strafkarte ziehen.
Hinweis: Nur bei Kindern einsetzen, die bereits dekodieren können. Bei unsicheren Lesern erzeugt Zeitdruck Stress und ist kontraproduktiv.
Variante 3: Anlaut-Kette (Phonem-Graphem-Zuordnung)
Besonders geeignet für: 3.–4. Klasse, phonologisches Training für Fortgeschrittene, Logopädie
Ziel: Anfangslaute bewusst machen
So geht's: Statt Vokal oder Anfangsbuchstabe gilt: Die Karte muss mit dem Endlaut der vorherigen Karte beginnen. Beispiel: Hand → Dank → Tank → Kind
Hinweis: Diese Variante ist anspruchsvoll und eignet sich für fortgeschrittene Kinder oder zur gezielten Arbeit an der phonologischen Bewusstheit.
Variante 4: Blitzlesen (Sichtwortschatz)
Besonders geeignet für: Alle Klassenstufen, Sichtwortschatz-Aufbau, DaZ-Wortschatztraining
Ziel: Ganzwort-Erkennung trainieren
So geht's: Vor dem eigentlichen Spiel: Karten werden nur 1 Sekunde gezeigt, dann umgedreht. Das Kind muss das Wort nennen. Richtig erkannte Karten kommen auf einen „Erfolgs-Stapel".
Mehr dazu im Artikel Sichtwortschatz aufbauen.
Integration in den Therapieplan
Wortmaumau sollte nicht die gesamte Therapiestunde füllen, sondern als motivierender Baustein eingebettet werden:
flowchart TD
A["⏰ 5 Min
Ankommen"] --> B["📝 15 Min
Übung"]
B --> C["🎮 15 Min
Wortmaumau"]
C --> D["📖 10 Min
Lesen"]
D --> E["🏠 5 Min
Hausaufgabe"]
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Empfohlene Einbettung
- Nach konzentrierter Übung: Als Belohnung und Auflockerung
- Vor dem Lesen: Als „Aufwärm-Übung" für die Worterkennung
- Als Transfer-Übung: Gerade trainierte Laute/Silben im Spiel anwenden
- Am Stundenende: Positiver Abschluss, der Vorfreude auf nächste Stunde weckt
Dosierung
- 1-2 Partien pro Stunde (ca. 10-15 Minuten)
- Regelmäßiger Einsatz: Mindestens 1x pro Woche für Automatisierungseffekte
- Nicht jede Stunde: Variation der Methoden wichtig
Elternarbeit: Wortmaumau zu Hause
Ein großer Vorteil von Wortmaumau: Es eignet sich perfekt für die Übertragung in den häuslichen Kontext. So binden Sie Eltern ein:
Anleitung für Eltern
- Spielen Sie eine Runde in der Therapie – mit dem Kind und dem Elternteil
- Erklären Sie die Regeln und die therapeutische Wirkung
- Geben Sie konkrete Hinweise:
- „Lassen Sie Ihr Kind jedes Wort laut lesen"
- „Fragen Sie nach dem Vokal, wenn Ihr Kind unsicher ist"
- „Loben Sie Fortschritte, nicht nur Siege"
- Empfehlen Sie 2-3 Spiele pro Woche (je 15 Minuten)
Therapiebegleitende Hausaufgabe
Geben Sie das Spiel als Leih-Exemplar mit oder empfehlen Sie die Anschaffung. Die Kosten von 9,90 € sind für Familien leicht zu tragen – und das Spiel wird oft zum Familien-Dauerbrenner.
Besondere Einsatzbereiche
LRS-Therapie
Bei Kindern mit Lese-Rechtschreib-Schwäche ist Wortmaumau besonders wertvoll:
- Vokalidentifikation: Zentrales Defizit bei LRS wird direkt trainiert
- Positive Leseerfahrung: Ohne Bewertungsdruck, ohne Rotstift
- Erfolgserlebnisse: Auch schwache Leser können gewinnen
- Sichtwortschatz: Aufbau durch hohe Wiederholungsrate
Mehr dazu: LRS spielerisch fördern
DaZ/DaF (Deutsch als Zweit-/Fremdsprache)
Wortmaumau eignet sich auch für den Sprachunterricht:
- Wortschatzerweiterung: 97 häufige deutsche Wörter
- Aussprache: Lautes Lesen fördert korrekte Artikulation
- Spielerischer Zugang: Sprachbarrieren werden umgangen
Gruppentherapie
Wortmaumau kann mit 2-4 Spielern gespielt werden:
- Soziales Lernen durch gemeinsames Spielen
- Peer-Motivation: Kinder lernen voneinander
- Therapeut kann beobachten und gezielt unterstützen
Tipps aus der Praxis
Was funktioniert
Spielen Sie mit – Ihre Begeisterung ist ansteckend. Wenn Sie selbst Ihre Karten laut und deutlich vorlesen, modellieren Sie gutes Leseverhalten. Loben Sie nicht nur Siege, sondern den Prozess: „Du hast das Wort toll erlesen!" wiegt mehr als „Gewonnen!". Und scheuen Sie sich nicht, Regeln anzupassen – für schwache Leser darf es einfacher sein.
Was Sie vermeiden sollten
Zeitdruck erzeugt Stress, und Stress blockiert Lernen – bei unsicheren Lesern also lieber ohne Stoppuhr spielen. Korrigieren Sie nicht jeden Fehler sofort; manchmal reicht ein freundliches „Schau nochmal". Und das Wichtigste: Beenden Sie die Runde, bevor die Frustration einsetzt. Lieber aufhören, wenn es noch Spaß macht.
Materialempfehlung
Für den Praxiseinsatz empfehlen wir mehrere Exemplare:
- 1 Praxis-Exemplar (dauerhaft in der Therapie)
- 2-3 Leih-Exemplare (für Hausaufgaben)
- Optional: Demo-Version auf dem Praxis-Tablet für erste Einführung
Zur Übersichtsseite für Therapeuten – mit Fallbeispielen und Einsatzformen auf einen Blick.
Therapeutisches Werkzeug im Spielformat
Wortmaumau wurde von einer Lerntherapeutin mit über 20 Jahren Praxiserfahrung entwickelt. Phonologische Bewusstheit, Sichtwortschatz und Leseflüssigkeit – spielerisch trainiert.
Nur 9,90 €Wissenschaftliche Grundlagen
Die methodischen Ansätze dieses Leitfadens basieren auf etablierter Forschung:
- Phonologische Bewusstheit: Schneider, W. et al. (2000): Training der phonologischen Bewusstheit als Prädiktor des Leseerfolgs. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie.
- Sichtwortschatz-Aufbau: Ehri, L. C. (2005): Learning to Read Words: Theory, Findings, and Issues. Scientific Studies of Reading, 9(2), 167-188.
- Wiederholung und Automatisierung: Samuels, S. J. (1979): The Method of Repeated Readings. The Reading Teacher, 32(4), 403-408.
- Spielbasiertes Lernen: Plass, J. L. et al. (2015): Foundations of Game-Based Learning. Educational Psychologist, 50(4), 258-283.
- IGLU-Studie 2021: McElvany, N. et al. (2023): Lesekompetenz von Grundschulkindern in Deutschland. Waxmann Verlag.