Scanner analysiert Text auf LRS-Anzeichen: b-d Verwechslung
LRS

LRS erkennen: Anzeichen, Test & wann Eltern handeln sollten

Ihr Kind tut sich schwer mit dem Lesen und Schreiben – aber ist das noch normal oder schon LRS? Diese Frage beschäftigt viele Eltern. Hier erfahren Sie, welche Anzeichen auf eine Lese-Rechtschreib-Schwäche hindeuten und wann Sie handeln sollten.

Was ist LRS überhaupt?

LRS steht für Lese-Rechtschreib-Schwäche (auch: Legasthenie). Betroffene Kinder haben trotz normaler Intelligenz und ausreichender Beschulung deutliche Probleme beim Erlernen des Lesens und/oder Schreibens.

Wichtig: LRS hat nichts mit Dummheit zu tun. Viele hochbegabte Menschen haben LRS. Das Gehirn verarbeitet Schriftsprache einfach anders.

In Deutschland sind etwa 5–6% aller Kinder von LRS betroffen – das sind 1–2 Kinder pro Schulklasse.

Typische Anzeichen im Vorschulalter

Bereits vor der Einschulung können sich erste Hinweise zeigen:

  • Späte Sprachentwicklung: Das Kind hat spät sprechen gelernt
  • Probleme mit Reimen: „Was reimt sich auf Maus?" fällt schwer
  • Verwechslung ähnlicher Laute: b/p, d/t, g/k werden verwechselt
  • Schwierigkeiten beim Klatschen von Silben: „Ba-na-ne" in Silben zerlegen gelingt nicht
  • Kein Interesse an Buchstaben: Das Kind zeigt wenig Neugier auf Schrift

Achtung: Diese Anzeichen können, müssen aber nicht auf LRS hindeuten. Viele Kinder holen Entwicklungsrückstände später auf.

Anzeichen in der 1. und 2. Klasse

In den ersten Schuljahren werden die Hinweise deutlicher:

Beim Lesen

  • Sehr langsames, stockendes Lesen
  • Häufiges Vertauschen von Buchstaben (b/d, p/q)
  • Wörter werden geraten statt gelesen
  • Zeilen werden übersprungen oder wiederholt
  • Kein Textverständnis – das Kind kann nicht wiedergeben, was es gelesen hat

Beim Schreiben

  • Viele Fehler trotz häufigen Übens
  • Gleiches Wort wird verschieden geschrieben (Hund, Hunt, Hundt)
  • Buchstaben werden ausgelassen oder hinzugefügt
  • Groß- und Kleinschreibung wird nicht beachtet
  • Unleserliche Handschrift

Im Verhalten

  • Starke Vermeidung von Lesen und Schreiben
  • Hausaufgaben werden zum täglichen Kampf
  • Das Kind wirkt frustriert oder resigniert
  • Bauch- oder Kopfschmerzen vor der Schule
mindmap
  root((LRS-Anzeichen))
    Vorschule
      Späte Sprachentwicklung
      Probleme mit Reimen
      Laute verwechseln
      Kein Interesse an Buchstaben
    Lesen
      Sehr langsam
      Buchstaben vertauschen
      Wörter raten
      Kein Textverständnis
    Schreiben
      Viele Fehler trotz Übung
      Wort verschieden geschrieben
      Buchstaben auslassen
      Unleserliche Schrift
    Verhalten
      Lesen vermeiden
      Hausaufgaben-Kampf
      Frustration
      Bauchschmerzen vor Schule
                    

Die Checkliste: Sollten Sie handeln?

Wenn mehrere dieser Aussagen zutreffen, ist ein Gespräch mit der Lehrkraft sinnvoll:

  • Mein Kind liest deutlich schlechter als Gleichaltrige
  • Die Probleme bestehen seit mehr als einem halben Jahr
  • Üben bringt kaum Fortschritt
  • Mein Kind vermeidet Lesen und Schreiben aktiv
  • Es gibt familiäre Vorbelastung (LRS bei Eltern oder Geschwistern)
  • Mein Kind zeigt emotionale Reaktionen (Tränen, Wut, Rückzug)
Checkliste: LRS-Warnsignale erkennen - Vorschule, Lesen, Schreiben, Verhalten
Checkliste für Eltern: Wann Sie genauer hinschauen sollten.

Der Unterschied: Normal langsam oder LRS?

Nicht jedes Kind, das langsam lesen lernt, hat LRS. Die Unterschiede:

Normal langsam Hinweis auf LRS
Fortschritte sind erkennbar Stillstand trotz Übung
Fehler werden weniger Immer gleiche Fehler
Kind ist motiviert Starke Vermeidung
Aufholen ist möglich Rückstand wächst

Der Weg zur Diagnose

Schritt 1: Gespräch mit der Lehrkraft

Die Lehrkraft kennt Ihr Kind im Schulalltag und kann einschätzen, ob die Schwierigkeiten ungewöhnlich sind. Fragen Sie nach konkreten Beobachtungen.

Schritt 2: Kinderarzt aufsuchen

Hör- und Sehprobleme müssen ausgeschlossen werden. Der Kinderarzt kann eine Überweisung zur Diagnostik ausstellen.

Schritt 3: Professionelle Diagnostik

Eine LRS-Diagnose stellen Kinder- und Jugendpsychotherapeuten, Schulpsychologen oder spezialisierte Lerntherapie-Institute. Die Diagnostik umfasst:

  • Standardisierte Lese- und Rechtschreibtests
  • Intelligenztest (zum Ausschluss anderer Ursachen)
  • Gespräche mit Eltern und Kind

Was eine Diagnose bringt

Manche Eltern scheuen die Diagnose – aus Angst vor „Stempeln". Aber eine offizielle LRS-Diagnose hat Vorteile:

  • Nachteilsausgleich in der Schule: Mehr Zeit bei Klassenarbeiten, andere Bewertung der Rechtschreibung
  • Kostenübernahme: Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt das Jugendamt die Kosten für Lerntherapie
  • Entlastung für das Kind: Es weiß nun, dass es nicht „dumm" ist, sondern anders lernt
  • Gezielte Förderung: Therapeuten können individuell angepasste Methoden einsetzen, z.B. Training der phonologischen Bewusstheit

Was Sie jetzt schon tun können

Auch ohne Diagnose können Sie Ihr Kind unterstützen:

  • Druck rausnehmen: Lesen soll Spaß machen, nicht Qual sein. Mehr dazu in unserem Artikel Hausaufgaben ohne Tränen.
  • Vorlesen: Auch älteren Kindern vorlesen, um die Freude an Geschichten zu erhalten
  • Spielerisch üben: Kartenspiele wie Wortmaumau trainieren Worterkennung ohne Prüfungscharakter
  • Stärken betonen: Ihr Kind hat andere Talente – zeigen Sie ihm, dass Sie diese sehen

Häufige Fragen von Eltern

Wächst sich LRS aus?

Ohne Förderung: nein. Mit gezielter Förderung können Kinder jedoch lernen, gut mit LRS umzugehen. Viele LRS-Betroffene machen erfolgreiche Karrieren.

Ist LRS vererbbar?

Es gibt eine genetische Komponente. Wenn ein Elternteil LRS hat, ist das Risiko für das Kind erhöht – aber nicht garantiert.

Hilft mehr Üben?

Ja und nein. Klassisches „mehr vom Gleichen" hilft oft nicht. Was hilft: andere Methoden, spielerische Zugänge, multisensorisches Lernen.

Im Zweifel: Nachfragen

Lieber einmal zu oft zum Spezialisten als einmal zu wenig. Wenn sich herausstellt, dass Ihr Kind einfach langsamer lernt – umso besser, dann können Sie entspannen. Und wenn doch LRS vorliegt: Dann haben Sie früh gehandelt, und das macht einen riesigen Unterschied.

Ihr Kind ist nicht allein. Millionen Menschen leben erfolgreich mit LRS. Der Schlüssel ist frühe Erkennung und passende Unterstützung.

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Häufige Fragen zu LRS

Ab welchem Alter kann man LRS erkennen?

Erste Anzeichen können bereits im Vorschulalter auftreten (Schwierigkeiten beim Reimen, Buchstaben merken). Eine zuverlässige Diagnose ist meist ab Ende der 2. Klasse möglich, wenn genügend Schriftsprachkontakt besteht.

Wer stellt die Diagnose LRS?

Die Diagnose wird von Kinder- und Jugendpsychiatern, Schulpsychologen oder spezialisierten Lerntherapeuten gestellt. Ein standardisierter Lese-Rechtschreib-Test und ein Intelligenztest sind Teil der Diagnostik.

Ist LRS heilbar?

LRS ist keine Krankheit, sondern eine Teilleistungsstörung. Mit gezielter Förderung können Betroffene große Fortschritte machen und Strategien entwickeln, um gut mit der Schwäche umzugehen. Frühe Förderung verbessert die Prognose deutlich.

Was sind typische Anzeichen für LRS bei Erstklässlern?

Typische Anzeichen: Sehr langsames, stockendes Lesen; häufiges Vertauschen ähnlicher Buchstaben (b/d, p/q); Schwierigkeiten beim Zusammenlauten; Vermeiden von Lesesituationen; große Unterschiede zwischen mündlicher und schriftlicher Leistung.

Zahlt die Krankenkasse eine LRS-Therapie?

LRS-Therapie wird in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen, da LRS keine Krankheit ist. Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Jugendamt die Kosten über Eingliederungshilfe (§35a SGB VIII) tragen, wenn eine seelische Behinderung droht.