Die Spielzeugregale sind voll mit Lernspielen, die alle versprechen, Kindern beim Lesen zu helfen. Aber welches hält, was es verspricht? Als Lerntherapeutin habe ich viele davon ausprobiert – mit meinen eigenen Kindern und mit hunderten Therapiekindern. Hier ist mein ehrlicher Vergleich.
Hinweis: Der Markt für Lese-Lernspiele ist riesig. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Spiele, die in Elternhaushalten, Schulen und Lerntherapie-Praxen am häufigsten genutzt werden. Es gibt viele weitere gute Spiele von Ravensburger, HABA und anderen Verlagen.
Worauf es bei Lese-Lernspielen ankommt
Bevor wir einzelne Spiele vergleichen, eine grundsätzliche Frage: Was macht ein gutes Lese-Lernspiel eigentlich aus? In meiner Praxis habe ich drei entscheidende Faktoren identifiziert:
Erstens: Das Kind muss tatsächlich lesen. Klingt banal, ist es aber nicht. Viele „Lesespiele" lassen sich auch ohne Lesen gewinnen – durch Raten, Muster erkennen oder schlicht Glück. Ein gutes Lese-Lernspiel zwingt das Kind (freundlich, spielerisch) zum Lesen.
Zweitens: Hohe Wiederholungsrate. Kinder brauchen viele Begegnungen mit einem Wort, bis es im Sichtwortschatz landet. Ein Spiel, bei dem pro Runde nur fünf Wörter vorkommen, trainiert weniger als eines mit fünfzig.
Drittens: Intrinsische Motivation. Das Kind soll spielen wollen – nicht weil Mama es sagt, sondern weil es Spaß macht. Das Spiel muss ein echtes Spiel sein, nicht nur eine verkleidete Übung.
Die beliebten Lesespiele im Überblick
Lesehexe (Ravensburger)
Ein Klassiker in vielen Kinderzimmern. Die Kinder sollen Wort-Bild-Paare finden – „Haus" zum Bild eines Hauses. Der Clou: Die Spielsteine rasten nur ein, wenn die Zuordnung stimmt.
Was gut ist: Das haptische Feedback motiviert. Kinder lieben das befriedigende „Klick", wenn ein Paar passt. Das Spielprinzip ist schnell verstanden, auch jüngere Kinder können mitspielen.
Wo es hakt: Das Spiel lässt sich durch Probieren lösen – das Kind muss nicht wirklich lesen, um zu gewinnen. Wer schnell genug alle Kombinationen durchprobiert, kommt auch ohne Lesen ans Ziel. Außerdem sind die Wörter sehr kurz und einfach. Für Kinder ab der 2. Klasse wird es schnell langweilig.
Zauberlesen (HABA / Drei Magier)
Ein beliebtes Spiel aus dem HABA-Sortiment, das oft für Vorschule und frühe 1. Klasse empfohlen wird. Die Kinder ordnen Buchstaben zu Wörtern und lösen magische Aufgaben.
Was gut ist: Die hochwertige HABA-Qualität und die ansprechende „Zauber"-Thematik motivieren Kinder. Das Spielprinzip ist durchdacht und kindgerecht.
Wo es hakt: Das Lesevolumen pro Runde ist begrenzt. Kinder lesen relativ wenige Wörter, bevor das Spiel endet. Für intensives Lesetraining fehlt die Wiederholungsrate.
ABC-Insel (Ravensburger tiptoi)
Ein elektronisches Spiel mit dem tiptoi-Stift. Kinder hören Laute und müssen den passenden Buchstaben auf der Spielinsel finden.
Was gut ist: Der tiptoi-Stift spricht die Laute korrekt aus – das ist für die phonologische Bewusstheit wertvoll. Kinder mögen die interaktive Technik.
Wo es hakt: Es geht um Buchstaben und Laute, nicht um Wörter. Das ist für Vorschulkinder gut, aber für das eigentliche Lesen-Lernen reicht es nicht. Der Schritt vom Einzellaut zum Wort fehlt. Und der tiptoi-Stift muss separat gekauft werden.
Silbenrallye (Piatnik)
Die Kinder sammeln Silbenkarten und setzen sie zu Wörtern zusammen. Wer die meisten sinnvollen Wörter bildet, gewinnt.
Was gut ist: Der Fokus auf Silben ist pädagogisch sinnvoll – die Silbenmethode ist bewährt. Kinder üben, Silben zu erkennen und zu kombinieren.
Wo es hakt: Das Spiel erfordert bereits Lesefähigkeit. Wer noch nicht lesen kann, kann auch keine Silben zu Wörtern zusammensetzen. Es ist eher ein Übungsspiel für Kinder, die schon auf dem Weg sind.
Wortmaumau
Das Spielprinzip kennt jeder: MauMau. Karten ablegen, wer zuerst keine mehr hat, gewinnt. Der Twist: Statt Farben und Zahlen stehen Wörter auf den Karten. Eine Karte passt, wenn sie den gleichen Anfangsbuchstaben oder den gleichen Vokal hat. „Hand" passt auf „Hund" (gleiches H) oder auf „Dank" (gleiches A).
Übrigens: Die Idee, MauMau zum Lernen zu nutzen, ist nicht neu – es gibt auch Silben-MauMau-Varianten für den Unterricht. Der Unterschied bei Wortmaumau: Der Fokus liegt auf ganzen Wörtern und dem Aufbau des Sichtwortschatzes, nicht nur auf Silben.
Warum ich es so gemacht habe: Das MauMau-Prinzip ist genial, weil es Spannung erzeugt. „Habe ich eine passende Karte?" Diese Frage zwingt das Kind, jede Karte anzuschauen – und zu lesen. Es gibt keinen Weg, ohne Lesen zu gewinnen.
Die Vokal-Regel trainiert gezielt die Vokalerkennung – ein Kernproblem bei LRS. Und weil alle Spieler gleichzeitig ihre Karten prüfen, liest jedes Kind pro Runde dutzende Wörter. In Lerntherapie-Stunden haben wir typische Runden mitgestoppt: Bei 3 Spielern wurden im Schnitt 60–70 Wörter pro Runde laut oder leise gelesen.
Der Vergleich auf einen Blick
Nach 20 Jahren Praxiserfahrung habe ich eines gelernt: Nicht jedes Spiel, das „Lesen lernen" verspricht, hält, was es verspricht. Die entscheidende Frage ist: Wie viel liest das Kind tatsächlich?
Diese Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede zwischen den beliebtesten Lesespielen. Die Zahl der gelesenen Wörter pro Runde ist dabei der aussagekräftigste Wert – denn Wiederholung ist der Schlüssel zur Automatisierung.
| Spiel | Alter / Klasse | Trainiert | Wörter pro Runde | Preis |
|---|---|---|---|---|
| Lesehexe | Vorschule – 1. Klasse | Wort-Bild-Zuordnung | ca. 20 | ca. 15 € |
| Zauberlesen | Vorschule – 1. Klasse | Buchstaben zu Wörtern | ca. 10-15 | ca. 20 € |
| ABC-Insel | Vorschule | Buchstaben, Laute | – | ca. 25 € (+ Stift) |
| Silbenrallye | Klasse 2–4 | Silben | ca. 15-20 | ca. 12 € |
| Wortmaumau | Ab Mitte 1. Klasse | Wörter, Vokale, Sichtwortschatz | 60-70 | 9,90 € |
Für wen eignet sich welches Spiel?
Vorschulkinder (5-6 Jahre)
Kinder, die noch nicht lesen können, brauchen Spiele, die Vorläuferfähigkeiten trainieren: Buchstaben erkennen, Laute unterscheiden, Reime finden. Hier ist ABC-Insel eine gute Wahl. Auch Lesehexe und Zauberlesen können in diesem Alter Spaß machen – das Kind lernt, dass Buchstaben und Wörter zusammengehören.
Leseanfänger (ab Mitte 1. Klasse)
Sobald das Kind lautgetreue Wörter erlesen kann (typisch ab Mitte 1. Klasse), wird es spannend. Wortmaumau eignet sich jetzt besonders gut, weil die Wörter kurz und häufig sind. Das Kind liest „Hand", „Dank", „Kind" – Wörter, die es bald automatisch erkennen wird.
Kinder mit Leseschwierigkeiten
Bei LRS oder Leseschwäche brauchen Kinder vor allem eines: viele Wiederholungen ohne Frust. Klassische Übungshefte erzeugen oft Widerstand. Ein Spiel wie Wortmaumau, das sich anfühlt wie Spielen und nicht wie Üben, kann hier den Unterschied machen.
Mehr dazu: Wortmaumau in der Lerntherapie
Geübte Leser (Klasse 2–4)
Kinder, die bereits flüssig lesen, brauchen Spiele, die sie herausfordern. Silbenrallye und ähnliche Wortbildungsspiele sind hier interessant. Auch Wortmaumau bleibt spannend – dann mit Zeitdruck oder der Vokal-Benennungs-Variante.
Das Gesamtbild: Lesevolumen vs. Schwierigkeit
Dieses Diagramm fasst den Vergleich visuell zusammen. Die horizontale Achse zeigt, wie viel tatsächlich gelesen wird. Die vertikale Achse zeigt den Schwierigkeitsgrad. Der „Sweet Spot" für effektives Lesetraining liegt rechts – dort, wo viel gelesen wird.
quadrantChart
title Lesespiele im Vergleich
x-axis Wenig Lesen --> Viel Lesen
y-axis Einfach --> Anspruchsvoll
quadrant-1 Ideal
quadrant-2 Komplex
quadrant-3 Einstieg
quadrant-4 Intensiv
Lesehexe: [0.20, 0.25]
ABC Insel: [0.15, 0.20]
Zauberlesen: [0.30, 0.35]
Silbenrallye: [0.45, 0.55]
Wortmaumau: [0.85, 0.50]
Was das bedeutet: Spiele im linken Bereich (Lesehexe, ABC-Insel, Zauberlesen) sind gute Einstiegsspiele für die Vorschule – aber für intensives Lesetraining reichen sie nicht. Wortmaumau liegt bewusst weit rechts: Maximales Lesevolumen bei mittlerem Schwierigkeitsgrad.
Meine Empfehlung
Es gibt nicht das eine perfekte Lernspiel. Jedes hat seinen Platz. Aber wenn ich nur eines empfehlen dürfte? Dann wäre es – Überraschung – Wortmaumau. Nicht weil ich es entwickelt habe, sondern weil es die drei Kriterien am besten erfüllt:
Das Kind muss lesen (kein Durchmogeln möglich). Es liest viele Wörter pro Runde (50-80 statt 5-20). Und es will spielen (weil MauMau einfach Spaß macht).
Dazu kommt: Mit 9,90 € ist es günstiger als die meisten Alternativen. Und es funktioniert für die ganze Familie – von 6 bis 99.
Wortmaumau: Lesen lernen mit System
50-80 Wörter pro Runde. Kein Durchmogeln möglich. Macht einfach Spaß. Probieren Sie es aus – kostenlos online oder als Kartenspiel.
Nur 9,90 €