„Ich will nicht lesen!" – Kennen Sie diesen Satz? Viele Eltern kämpfen täglich damit, ihre Kinder zum Lesen zu motivieren. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Tricks wird Lesen vom lästigen Muss zum echten Vergnügen.
Die Wissenschaft der Lesemotivation
Warum lesen manche Kinder freiwillig stundenlang, während andere jeden Satz wie eine Strafe empfinden? Die Motivationsforschung liefert klare Antworten – und die wichtigste lautet: Intrinsische Motivation schlägt extrinsische Motivation.
Die Self-Determination Theory (Deci & Ryan, 1985) identifiziert drei Grundbedürfnisse, die für echte, von innen kommende Motivation erfüllt sein müssen:
- Autonomie: Das Gefühl, selbst entscheiden zu können
- Kompetenz: Das Erleben von „Ich kann das!"
- Soziale Einbindung: Verbundenheit mit anderen beim Lesen
Ein Kind, das selbst sein Buch wählt (Autonomie), Erfolgserlebnisse hat (Kompetenz) und mit den Eltern gemeinsam liest (Einbindung), entwickelt echte Lesefreude.
Der Matthew-Effekt: Teufelskreis oder Engelskreis
Der Leseforscher Keith Stanovich prägte 1986 den Begriff „Matthew-Effekt" (nach Matthäus 25,29: „Wer hat, dem wird gegeben"). Im Kontext des Lesens bedeutet das:
Kinder, die gerne lesen, lesen mehr. Wer mehr liest, wird besser. Wer besser wird, liest noch lieber – ein sich selbst verstärkender Kreislauf.
Das Problem: Dieser Effekt funktioniert auch umgekehrt. Kinder mit anfänglichen Schwierigkeiten lesen weniger, fallen weiter zurück und verlieren noch mehr Motivation. Je früher wir den positiven Kreislauf starten, desto besser.
Warum viele Kinder keine Lust auf Lesen haben
Die IGLU-Studie 2021 zeigt: Nur 54% der deutschen Viertklässler lesen gerne oder sehr gerne. Das bedeutet: Fast die Hälfte aller Grundschulkinder braucht gezielte Motivationsförderung.
Die Ursachen sind meist eine Kombination aus:
- Überforderung: Texte zu schwer, ständig Misserfolge. Bei manchen liegt eine Lese-Rechtschreib-Schwäche vor.
- Langeweile: Themen treffen nicht den Geschmack des Kindes
- Konkurrenz: Tablet, TV und Handy erscheinen „spannender"
- Negative Assoziationen: Lesen = Schule = Pflicht = Stress
Die gute Nachricht: Alle diese Probleme lassen sich lösen – wenn wir die drei Grundbedürfnisse der Self-Determination Theory berücksichtigen.
flowchart LR
subgraph sdt["Self-Determination Theory"]
A["🎯 Autonomie"] --> M["Intrinsische Motivation"]
K["💪 Kompetenz"] --> M
S["🤝 Einbindung"] --> M
end
M --> L["❤️ Lesefreude"]
L --> ME["📈 Matthew-Effekt"]
ME --> |"mehr lesen"| L
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style K fill:#2d6bb5,color:#fff
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Jeder der folgenden Tipps adressiert mindestens eines der drei Grundbedürfnisse der Self-Determination Theory. Gemeinsam schaffen sie die Voraussetzungen für den positiven Matthew-Effekt.
Tipp 1: Lassen Sie Ihr Kind selbst wählen (→ Autonomie)
Der wichtigste Tipp überhaupt: Kinder lesen lieber, was sie selbst ausgesucht haben. Ob Comic, Sachbuch über Dinosaurier oder die Anleitung zum Lieblingsspiel – alles zählt. Jede selbstgewählte Lektüre stärkt das Gefühl von Autonomie.
Praktisch umsetzen:
- Besuchen Sie gemeinsam die Bibliothek – Ihr Kind wählt alleine
- Widerstehen Sie dem Impuls, „bessere" Bücher vorzuschlagen
- Comics, Zeitschriften, Graphic Novels sind gleichwertig
- Auch digitale Lektüre auf altersgerechten Plattformen zählt
Forschungsbefund: Die Leseforscherin Nell Duke stellte fest, dass Kinder, die ihre Lektüre selbst wählen, signifikant mehr Zeit mit Lesen verbringen als Kinder, denen Bücher vorgesetzt werden.
Tipp 2: Kurze Einheiten statt Marathons (→ Kompetenz)
„Lies jetzt eine Stunde!" – dieser Satz ist Gift für die Lesemotivation. Besser: Täglich 10-15 Minuten, dafür regelmäßig.
Warum das funktioniert: Kurze Einheiten erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind mit einem Erfolgserlebnis aufhört statt mit Erschöpfung. Erfolgserlebnisse nähren das Kompetenzgefühl – ein Kernbedürfnis für intrinsische Motivation.
Die „15-Minuten-Regel" nutzt außerdem den psychologischen Effekt der positiven Routine: Tägliche kleine Erfolge wirken stärker als seltene Marathons.
Tipp 3: Vorlesen – auch größeren Kindern (→ Soziale Einbindung)
Vorlesen ist nicht nur etwas für Kleinkinder. Die Stiftung Lesen empfiehlt ausdrücklich, auch Grundschulkindern vorzulesen. Das schafft gemeinsame positive Leseerlebnisse – und erfüllt das Bedürfnis nach sozialer Einbindung.
Praktisch umsetzen:
- Wählen Sie Bücher, die das Kind alleine noch nicht lesen könnte – das weckt Neugier
- Wechseln Sie sich ab: Eine Seite Sie, eine Seite Ihr Kind
- Schaffen Sie ein Ritual: Immer nach dem Abendessen, immer auf dem Sofa
- Sprechen Sie über die Geschichte – „Was glaubst du, passiert als nächstes?"
Tipp 4: Machen Sie Lesen zum Spiel (→ Kompetenz + Autonomie)
Kinder lernen am besten, wenn sie gar nicht merken, dass sie lernen. Genau hier setzen Lernspiele wie Wortmaumau an. Spielbasiertes Lernen verbindet Kompetenzerleben (ich kann gewinnen!) mit Autonomie (ich entscheide, welche Karte ich lege!).
Bei Wortmaumau muss Ihr Kind jede Karte lesen, um zu wissen, ob sie passt. Eine Runde dauert nur 10-15 Minuten – perfekt für zwischendurch. In dieser Zeit liest Ihr Kind 50-80 Wörter, ohne es als „Üben" zu empfinden. Der Ehrgeiz zu gewinnen treibt das Lesen an.
Das Besondere: Kinder müssen nicht nur lesen, sondern auch den Anfangsbuchstaben und Vokal erkennen. Das trainiert die phonologische Bewusstheit – eine Schlüsselkompetenz für flüssiges Lesen.
Weitere spielerische Ideen:
- Leseschatzsuche: Verstecken Sie Zettel mit Hinweisen, die zum nächsten Versteck führen
- Gemeinsam kochen: Lassen Sie Ihr Kind das Rezept vorlesen
- Spielanleitungen: „Lies mir vor, wie das Spiel geht!"
- Untertitel: Filme mit deutschen Untertiteln schauen
Tipp 5: Seien Sie ein Vorbild (→ Soziale Einbindung)
Kinder lernen durch Beobachtung. Wenn Sie selbst regelmäßig lesen – ob Buch, Zeitung oder Zeitschrift – wird Lesen für Ihr Kind zur sozialen Norm. Das erfüllt das Bedürfnis nach Zugehörigkeit: „In unserer Familie lesen wir."
Forschungsbefund: Die IGLU-Studie zeigt, dass Kinder aus „lesefreundlichen" Haushalten signifikant bessere Leseleistungen zeigen – unabhängig vom Bildungshintergrund der Eltern.
Praktisch umsetzen:
- Richten Sie eine gemütliche Leseecke für die ganze Familie ein
- Sprechen Sie beim Abendessen über Bücher
- Zeigen Sie sichtbar, dass Sie selbst gerade ein Buch lesen
- Verschenken Sie Bücher zu Geburtstagen – nicht nur Spielzeug
Fazit: Motivation statt Druck
Der rote Faden durch alle Tipps: Extrinsische Motivation (Belohnung, Druck, Strafe) funktioniert nicht nachhaltig. Die Forschung zeigt sogar, dass externe Anreize die intrinsische Motivation untergraben können – der sogenannte „Overjustification-Effekt".
Die gute Nachricht: Sie müssen nicht alle fünf Tipps gleichzeitig umsetzen. Jeder einzelne stärkt mindestens eines der drei Grundbedürfnisse. Und sobald der positive Matthew-Effekt einsetzt – mehr lesen → besser werden → noch mehr lesen – entwickelt sich die Motivation von selbst weiter.
Starten Sie heute: Mit unserer kostenlosen Online-Version von Wortmaumau können Sie sofort beginnen. 10 Minuten Spielzeit – und Ihr Kind hat 50-80 Wörter gelesen, ohne es als Übung zu empfinden.
Jedes Wort wird zum Spielzug
Wortmaumau macht aus Leseübung ein Spiel. Kinder lesen dutzende Wörter pro Runde – freiwillig und mit echtem Spaß.
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