Die Einschulung ist geschafft – jetzt beginnt das große Abenteuer Lesen lernen. Viele Eltern fragen sich: Wie kann ich mein Kind unterstützen? Was ist normal, was bedenklich? Dieser Ratgeber gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Wie Kinder in der Schule lesen lernen
In deutschen Grundschulen werden verschiedene Methoden eingesetzt. Die häufigsten sind:
Die Fibel-Methode
Der Klassiker: Kinder lernen Buchstaben in einer festgelegten Reihenfolge. Erst wenn ein Buchstabe sicher sitzt, kommt der nächste. Vorteil: Systematischer Aufbau. Nachteil: Kann für schnelle Lerner langweilig sein.
Die Silbenmethode
Kinder lernen, Wörter in Silben zu zerlegen und wieder zusammenzusetzen. Die Silben werden oft farbig markiert. Vorteil: Erleichtert das Erfassen längerer Wörter. Mehr dazu in unserem Artikel über Silben lesen lernen.
Lesen durch Schreiben
Kinder schreiben von Anfang an eigene Texte mit einer Anlauttabelle. Vorteil: Hohe Motivation. Nachteil: Die Rechtschreibung kann leiden, wenn nicht früh korrigiert wird.
Der typische Zeitplan im 1. Schuljahr
Jedes Kind lernt in seinem eigenen Tempo. Dennoch gibt es grobe Richtwerte:
Herbst (September–November)
- Erste Buchstaben werden eingeführt (meist Vokale + M, L, S)
- Kinder erkennen Anlaute („Was hörst du am Anfang von Mama?")
- Erste kurze Wörter werden gelesen (Mama, Oma, Lama)
Winter (Dezember–Februar)
- Weitere Buchstaben kommen hinzu
- Silben werden zu Wörtern zusammengezogen
- Einfache Sätze werden gelesen
Frühling (März–Mai)
- Alle Buchstaben sind eingeführt
- Das Lesetempo steigt
- Kurze Texte werden verstanden
Sommer (Juni–Juli)
- Flüssigeres Lesen entwickelt sich
- Erste einfache Bücher werden bewältigt
- Grundlage für die 2. Klasse ist gelegt
timeline
title Leseentwicklung im 1. Schuljahr
section Herbst
Sept-Nov : Erste Buchstaben (a, e, i, o, u, M, L)
: Anlaute erkennen
: Erste Wörter (Mama, Oma)
section Winter
Dez-Feb : Weitere Buchstaben
: Silben zusammenziehen
: Einfache Sätze
section Frühling
März-Mai : Alle Buchstaben bekannt
: Lesetempo steigt
: Kurze Texte verstehen
section Sommer
Juni-Juli : Flüssigeres Lesen
: Erste Bücher
: Bereit für 2. Klasse
Was Eltern zu Hause tun können
Vorlesen – jeden Tag
Vorlesen bleibt auch in der 1. Klasse wichtig. Es zeigt Ihrem Kind, wie spannend Geschichten sein können – Motivation für das eigene Lesen.
Gemeinsam üben – ohne Druck
10 Minuten tägliches Üben ist besser als eine Stunde am Wochenende. Wichtig: Lassen Sie Ihr Kind nicht allein kämpfen, aber nehmen Sie ihm auch nicht alles ab.
Spielerisch fördern
Spiele mit Wortkarten machen Leseübung unsichtbar. Beim Wortmaumau zum Beispiel dreht sich alles ums Gewinnen – dass dabei gelesen wird, ist Nebensache. Genau so soll es sein.
Lesen im Alltag entdecken
Straßenschilder, Verpackungen, Speisekarten – überall gibt es Lesestoff. Binden Sie Ihr Kind ein: „Was steht da?" Das zeigt: Lesen ist nützlich.
Typische Fehler von Erstklässlern
Diese Fehler sind normal und kein Grund zur Sorge:
- Buchstaben verwechseln: b/d, p/q – das legt sich meist von allein
- Raten statt lesen: Das Kind „rät" Wörter anhand der Anfangsbuchstaben
- Stockendes Lesen: Buchstabe für Buchstabe statt flüssig
- Kein Textverständnis: Das Kind liest vor, versteht aber nicht, was es gelesen hat
All diese Probleme verbessern sich mit Übung. Geduld ist der Schlüssel.
Wann Sie aufmerksam werden sollten
Nicht jede Schwierigkeit ist bedenklich. Aber bei diesen Anzeichen sollten Sie das Gespräch mit der Lehrkraft suchen:
- Ihr Kind kennt nach den Herbstferien noch keine Buchstaben
- Es kann Buchstaben nicht zu Silben verbinden
- Die Probleme bleiben über Monate konstant
- Ihr Kind zeigt starke Vermeidung oder emotionale Reaktionen
Möglicherweise liegt eine Lese-Rechtschreib-Schwäche vor, die professionelle Unterstützung braucht.
Die richtige Buchauswahl
Nicht jedes Buch ist für Erstleser geeignet. Achten Sie auf:
- Große Schrift und viel Zeilenabstand
- Kurze Sätze (maximal 8–10 Wörter)
- Viele Bilder, die den Text unterstützen
- Bekannte Wörter statt komplizierter Fachbegriffe
- Spannende Geschichten – das Thema muss Ihr Kind interessieren
Tipp: Bücher mit Silbentrennung (farbig markierte Silben) erleichtern den Einstieg enorm.
Die Rolle der Motivation
Die wichtigste Zutat beim Lesen lernen ist nicht Intelligenz – es ist Motivation. Ein Kind, das lesen will, lernt schneller als ein Kind, das lesen muss. Falls Ihr Kind gerade wenig Lust aufs Lesen hat, finden Sie Hilfe in unserem Artikel Mein Kind will nicht lesen: 10 Tipps.
So fördern Sie die Motivation:
- Erfolgserlebnisse schaffen: Mit leichten Texten beginnen
- Interessen aufgreifen: Bücher zu Lieblingsthemen besorgen
- Nicht vergleichen: Jedes Kind hat sein eigenes Tempo
- Lob dosieren: Anstrengung loben, nicht nur Ergebnisse
Vertrauen Sie dem Prozess
Lesen lernen braucht Zeit. Manche Kinder lesen schon im Dezember flüssig, andere erst im Sommer – beides ist völlig in Ordnung. Vergleiche mit anderen Kindern helfen niemandem.
Bleiben Sie entspannt, bleiben Sie dabei. Vorlesen, mitlesen, gemeinsam entdecken. Ihr Kind findet seinen Weg – wahrscheinlich schneller, als Sie denken.
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