Gruppe von Kindern unterschiedlicher Herkunft spielt gemeinsam Wortmaumau im Klassenzimmer
Für Therapeuten

Wortmaumau im DaZ-Unterricht: Leseförderung für mehrsprachige Kinder

Zwölf Kinder, acht Herkunftssprachen, drei Alphabete. Als DaZ-Lehrkraft kennen Sie diese Realität. Jedes Kind bringt unterschiedliche Voraussetzungen mit – manche können fließend in ihrer Muttersprache lesen, andere haben noch nie eine Schule von innen gesehen. Und alle sollen gleichzeitig Deutsch lesen lernen.

Die besondere Herausforderung im DaZ-Unterricht

Wenn Amira aus Syrien ihre erste deutsche Silbe liest, kämpft sie nicht nur mit unbekannten Lauten. Sie muss gleichzeitig von rechts nach links auf links nach rechts umstellen. Ihre Sitznachbarin Olena aus der Ukraine hat andere Hürden: Die kyrillische Schrift sitzt, aber deutsche Umlaute wie ä, ö, ü existieren in ihrer Sprachwelt schlicht nicht.

Klassische Lesefibeln sind für diese Situation nicht gemacht. Sie setzen voraus, dass alle Kinder den gleichen mündlichen Wortschatz mitbringen. Wenn ein Kind "Hund" liest und das Wort noch nie gehört hat, fehlt die Brücke zwischen Schriftbild und Bedeutung – der Sichtwortschatz kann sich nicht aufbauen.

flowchart TB subgraph challenges["Unterschiedliche Startpunkte"] A["🇸🇾 Arabisches Alphabet
Leserichtung: ← rechts nach links"] B["🇺🇦 Kyrillische Schrift
Keine Umlaute ä, ö, ü"] C["🇹🇷 Lateinisch bekannt
Andere Laut-Zuordnung"] D["Keine Schulerfahrung
Alphabetisierung ab Null"] end subgraph solution["Gemeinsamer Nenner: Spielen"] E["🎴 Wortmaumau
Universelle Spielregeln"] end subgraph result["Ergebnis"] F["✓ Lesen ohne Bewertung
✓ Motivation durch Spielspaß
✓ Natürliche Kommunikation"] end A --> E B --> E C --> E D --> E E --> F
Unterschiedliche Voraussetzungen – ein gemeinsamer Zugang

Warum Kartenspiele im DaZ-Kontext funktionieren

Spiele sprechen eine universelle Sprache. Wenn Kinder unterschiedlicher Herkunft Karten ablegen und dabei lachen, brauchen sie keine gemeinsame Muttersprache. Die Spielregeln schaffen einen Rahmen, in dem Kommunikation natürlich entsteht – und Lesen zum Mittel wird, um mitspielen zu können.

Wortmaumau nutzt dieses Prinzip gezielt. Anders als bei klassischen Leseübungen gibt es hier keine "richtige" Antwort, die ein Kind vor der Gruppe falsch geben könnte. Wer eine Karte ablegt, liest das Wort vor – und die Gruppe hört zu, ohne zu bewerten. Die Motivation kommt aus dem Spielen, nicht aus der Angst vor Fehlern.

Praktische Umsetzung in der Willkommensklasse

Start mit bekanntem Wortschatz

Sortieren Sie vor dem ersten Einsatz die Karten nach Wörtern, die Ihre Schüler bereits kennen. Das klingt aufwendig, spart aber Frustration. Ein Kind, das "Tisch" lesen kann, aber nicht weiß, was ein Tisch ist, lernt weder Lesen noch Deutsch dabei.

Beginnen Sie mit maximal 30 Karten aus dem Grundwortschatz: Körperteile, Klassenzimmer-Gegenstände, Tiere, Essen. Diese Wörter haben die Kinder im Alltag schon gehört und können Schrift und Bedeutung verbinden.

Bilder als Brücke

Legen Sie zu jeder Wortkarte ein passendes Bild. Bevor das Spiel beginnt, gehen Sie die Bildkarten durch: "Was ist das? Ein Apfel. Wer findet die Karte mit A-P-F-E-L?" So verbinden die Kinder Bild, gesprochenes Wort und Schriftbild, bevor der Spielstress beginnt.

Kleingruppen nach Niveau

Vier Kinder pro Gruppe funktionieren am besten. Mischen Sie bewusst: Ein Kind, das schon gut lesen kann, mit zwei Anfängern und einem Kind auf mittlerem Niveau. Das fortgeschrittene Kind wird zum natürlichen Helfer – und festigt dabei sein eigenes Können.

Spielvarianten für den DaZ-Kontext

Variante Niveau So geht's Trainiert
Silben-Mau-Mau Anfänger Silben (MA, ME, MI...) statt Wörter auf Karten Laut-Buchstaben-Zuordnung
Wort-Bild-Memory Anfänger Wortkarten + Bildkarten als Memory-Paare Wortschatz + Lesen
Satz-Erweiterung Fortgeschritten Wer ablegt, bildet einen Satz ("Ich esse einen Apfel") Grammatik + Sprechen
Vorlese-Runde Alle Niveaus Erste Runde ohne Gewinner – alle lesen gemeinsam vor Sicherheit + Aussprache

Die Silben-Variante eignet sich besonders für absolute Leseanfänger. Für die Vorbereitung sortieren Sie Karten mit offener Silbenstruktur vor: Wörter wie „Ma-ma", „To-ma-te" oder „Ha-se" – keine Konsonantencluster am Anfang. Mehr zur Silbenmethode finden Sie in unserem Ratgeber.

Bei der Vorlese-Runde ist wichtig: Korrigieren Sie nie direkt mit „Das war falsch". Stattdessen: Das Kind liest vor, die Gruppe spricht chorisch nach. So hört jeder die richtige Aussprache, ohne dass jemand bloßgestellt wird. Auch Sie als Lehrkraft sprechen mit – das normalisiert das gemeinsame Üben.

Umgang mit unterschiedlichen Schriftsystemen

Kinder, die ein anderes Alphabet gewohnt sind, brauchen mehr Zeit – aber nicht andere Methoden. Die lateinischen Buchstaben zu lernen ist eine zusätzliche Aufgabe, aber keine unüberwindbare. Viele Kinder aus arabischsprachigen Ländern kennen bereits einzelne lateinische Buchstaben aus dem Englischunterricht oder von Markennamen.

Nutzen Sie die Gemeinsamkeiten: Die Zahlen 1-9 sehen im Arabischen und Lateinischen ähnlich aus. Buchstaben wie O oder M haben in vielen Schriftsystemen verwandte Formen. Kleine Aha-Momente ("Das M sieht fast aus wie im Russischen!") bauen Brücken und nehmen die Angst vor dem Fremden.

Erfolgserlebnisse dokumentieren

Führen Sie für jedes Kind eine einfache Wortschatz-Liste. Welche Wörter kann es schon lesen? Welche kommen beim nächsten Mal dazu? Kinder, die ihren eigenen Fortschritt sehen können, bleiben motiviert – auch wenn der Weg noch lang scheint.

Eine bewährte Methode: Lassen Sie die Kinder ihre "Lieblingswörter" sammeln. Jedes Kind hat einen kleinen Karton mit Karten der Wörter, die es schon sicher lesen kann. Der Stapel wächst von Woche zu Woche und macht den Fortschritt greifbar.

Elternarbeit mit Wortmaumau

Viele Eltern von DaZ-Kindern möchten helfen, wissen aber nicht wie. Ein Kartenspiel senkt die Hürde: Auch Eltern mit wenig Deutschkenntnissen können mitspielen und dabei selbst lernen. Die Spielregeln lassen sich mit wenigen Gesten erklären, und das gemeinsame Lesen der Karten wird zur Familienaktivität. Mehr zum Thema Lernen ohne Stress zu Hause finden Sie in unserem Eltern-Ratgeber.

Geben Sie den Familien einen kleinen Kartensatz mit nach Hause. Nicht den vollständigen – sondern 20-30 Karten mit Wörtern, die das Kind schon kennt. Der Erfolg zu Hause motiviert für die Schule.

Was Wortmaumau nicht leisten kann

Ein Kartenspiel ersetzt keinen systematischen DaZ-Unterricht. Es kann keine Grammatik vermitteln, keinen Wortschatz aufbauen, keine Aussprache korrigieren. Aber es kann eines: Kindern zeigen, dass Lesen Spaß macht. Dass deutsche Wörter nicht nur Prüfungsstoff sind, sondern Werkzeuge zum Spielen, Gewinnen, Lachen.

Für Kinder, die in ihrer Schulbiografie vielleicht schon Misserfolge erlebt haben, ist dieses positive Erleben Gold wert. Es legt den Grundstein für eine Lernhaltung, die über das Spiel hinaus trägt.

Fazit: Spielen verbindet

Der DaZ-Unterricht ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben im Schulalltag. Kein Material kann die Komplexität reduzieren, die entsteht, wenn Kinder aus aller Welt gemeinsam Deutsch lernen. Aber gute Materialien können Momente schaffen, in denen Unterschiede in den Hintergrund treten und Gemeinsamkeit entsteht.

Wenn Amira, Olena und ihre Mitschüler zusammen Wortmaumau spielen, sind sie für diese Minuten keine "DaZ-Kinder" mehr. Sie sind Spieler, die gewinnen wollen – und nebenbei Deutsch lesen üben. Das ist vielleicht der wertvollste Beitrag, den ein Kartenspiel leisten kann.

Zur Übersichtsseite für Schulen – mit allen Einsatzmöglichkeiten für Leseförderung und DaZ auf einen Blick.

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